Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke

Biografie



Rilke Gedichte

Ich hab das "Ich" verlernt und weiß nur: wir.
Mit der Geliebten wurde ich zu zwein;
und aus uns beiden in die Welt hinein
und über alles Wesen wuchs das Wir.
Und weil wir Alles sind, sind wir allein.

 ***

Ich finde dich in allen diesen Dingen,
denen ich gut und wie ein Bruder bin;
als Samen sonnst du dich in dem Geringen
und in dem Großen gibst du groß dich hin...
Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,
daß sie so dienend durch die Dinge gehn:
in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfte
und in den Wipfeln wie ein Auferstehn.

***

Man muß nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude
oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört,
bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als
unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich
selber leben und an das ganze Leben denken, an alle
seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, dem gegenüber
es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

***

Und manchmal,
während wir so schmerzhaft reifen,
dass wir beinahe daran sterben,
erhebt sich aus allem,was wir nicht begreifen,
ein Gesicht und sieht uns strahlend an.

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